Villa Borg und das Subventionskomplott
Die Protokolle der Kommission – Villa Borg und das Subventionskomplott
Ein epischer Asterix-Roman über Bürokratie, Bier und bittere Bitten
Kapitel II: Die Rede der Kommissarin – Von der Leyen betritt die Curia Borgensis
Es war ein Tag wie jeder andere in der Villa Borg. Die Sonne stand hoch über den rekonstruierten Säulen des Atriums, und die Zikaden zirpten voller Lebensfreude.
In der Braustube rührte Brauhaustrix mit großer Hingabe in seinem Kessel, während Bürgermeister Subventionsix bereits zum vierten Mal versuchte, einen Antrag auf Gerstensaftförderung korrekt in siebenfacher Ausfertigung auszufüllen.
Doch dann bebte die Erde.
Ein schwerer römischer Streitwagen, gezogen von vier elektrisch angetriebenen Pferden, rollte über den Leukbach. Er kam aus Richtung Brüssel. Das Fuhrwerk war mit goldenen Lettern beschriftet: "VON DER LEYEN – Commissaria Europaea Maxima".
Aus dem Inneren stieg sie – Kommissaria VonDerLeyenaria, gefürchtet und verehrt gleichermaßen. Ihre Toga war mit blauen Sternen bestickt, ihre Sandalen glänzten wie frisch geölte Amtsschreiben. Mit erhobenem Zeigefinger betrat sie die Curia Borgensis und ließ sich ein Amphitheater aus Eichenholz errichten – für ihre Rede.
"Liebe Villa-Borgianerinnen und -Borgianer!" begann sie mit sonorer Stimme, während Obelix sich an eine der Säulen lehnte und leise „Hoffentlich wird das kein Langtext“ murmelte.
**"Wir stehen vor 10 fundamentalen Herausforderungen der EU-Gesetzgebung, die – wie ich euch in 30.000 Worten erläutern werde – nicht nur die Zukunft der Bierbraukunst, sondern auch die Förderfähigkeit eures Gartens, den Abrieb eurer Sandalen sowie die CO₂-Bilanz eurer Amphoren betreffen!"
Und sie begann, mit einem Seitenblick auf ihren goldenen Papyrus-Teleprompter:
1. Die Bierverschlussverordnung Nr. 2610/XXV: Laut Artikel 77b dürfen römische Bierdeckel nur noch aus recyceltem Olivenholz bestehen, das in einem Radius von maximal 17 Gallienmeilen geerntet wurde. Ausgenommen sind Deckel mit EU-Wappen, die bei Sonnenwende von zertifizierten Druiden geschnitzt wurden.
2. Der Hopfenhöchsttarif: EU-Gesetz verpflichtet alle Brauer, den Hopfenverbrauch mit einem EU-Siegel der Klasse VI-C zu deklarieren, es sei denn, der Braumeister singt dabei die Europahymne in Latein.
3. Der Trankverteilungsmechanismus: Nur durch ein eigens zu bildendes Komitee aus Subkomitees (mit 3/4 Mehrheit bei 9/13 Beteiligten, davon 2 aus Transsylvanien) darf der Zaubertrank rationiert werden. Bonuspunkte gibt’s für genderneutrale Zaubersprüche.
4. Der Thermenrichtlinien-Vergleichsindikator: Die Temperatur der römischen Bäder in Borg darf 38,5° Celsius nicht überschreiten, es sei denn, der Badeschaum besteht aus zertifizierter EU-Kamille.
5. Das
Amphorensteuergeset
z: Jeder Transport von Flüssigkeit in Gefäßen mit mehr als 1,7 Griffen muss angemeldet, versteuert und durch ein astrologisches Gutachten freigegeben werden – vorzugsweise bei Vollmond.
6.
Die Einheizquote (EIBQ): Römische Kochstellen müssen ab sofort mit Gallischer Windkraft betrieben werden – oder durch politische Heißluft aus Brüssel kompensiert werden. Letzteres ist besonders effizient.
7.
Der Subventionsanspruchs-Index für museale Landwirtschaft: Fördermittel gibt es nur noch für Betriebe, die mindestens 23 antike Werkzeuge nach EU-Norm nachweisen können – inklusive Zertifikat eines zertifizierten Zenturions.
8. Die Gänsefederregistrierungspflicht: Wer auf Pergament schreibt, muss jede Feder einzeln digital registrieren lassen – per App "GANS-DIGI", die nur bei Neumond funktioniert.
9. Die PersonalGenderBalance-Quote: Jeder Legionstrupp in der Villa Borg muss mindestens zu 40 % aus weiblichen Zenturioninnen bestehen. Außer freitags. An Feiertagen darf durch Druiden vertreten werden.
10. Die Richtlinie zur Verhinderung von Richtlinienverstopfung: Neue Gesetze dürfen nur erlassen werden, wenn alte vorher gelöscht, verbrannt oder durch gallischen Spott widerlegt wurden. Der Spott muss dabei mindestens zwölf Silben lang sein.
Der Redestrom dauerte zwei Tage, drei Amphoren Met und eine gallische Revolte im Stillstand. Obelix schlief währenddessen ein, Asterix begann ein Trinkspiel – jedes Mal, wenn „Verordnung“ fiel, trank er ein Horn Bier. Am Ende des zweiten Tages war der Vorrat leer. Wieder einmal.
„Also gut“, sagte Bürgermeister Subventionsix, „wir schicken ein Schreiben nach Lutetia. Vielleicht versteht man dort noch Spaß.“
Asterix nickte. „Oder wir brauen unseren eigenen EU-konformen Trank… aus Spott, Stolz und einem Schuss Hopfen.“
Fortsetzung folgt: In Kapitel III: Der Generaldirektor und der Gallische Antrag A38

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